Holzbock-Weibchen hungrig

(Größe ca. 3,5 - 4,5 mm)

Holzbock-Weibchen bei der Nahrungsaufnahme

Holzbock-Weibchen nach der Blutmahlzeit

(Größe ca. 10 mm)


Zecken

Zecken sind harmlos - meist. Und dieses "meist" ist das Problem. Nahezu jeder hat in seinem Leben schon einmal eine Zecke gehabt. Und so sind Zecken auch immer wieder ein Lieblingsthema der Presse.

Dass in Risikogebieten ein Zuwachs an diagnostizierter Borreliose zugenommen hat, ist unbestritten und ein verstärktes Bewußtsein um diese Erkrankung ist sehr zu begrüßen. Dies ist schließlich eine wichtige Voraussetzung für eine frühe Diagnostik und Therapie und kann helfen, chronische Verläufe zu verhindern.

Ein Grund zur Panik sind die kleinen Spinnentiere jedoch nicht. Lassen Sie sich bitte nicht die Freude an einem Aufenthalt in der Natur von Zeckenhysterie und übertriebenem Aktionismus verderben.

Borreliennachweis in Zecken

Zunächst einmal muss festgestellt werden, dass der Borreliennachweis in der Zecke nichts anderes ist als genau das: ein Borreliennachweis in der Zecke.

Ob Borrelien überhaupt übertragen worden sind, hängt von den Umständen des Stichs ab, vor allem von der Saugdauer. Ohne auf die komplexe Wechselwirkung zwischen Borrelien und Zecken näher einzugehen, kann man eine zeitliche Grenze ziehen, wonach unterhalb einer Saugdauer von 6 - 12 Stunden mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit keine Borrelien übertragen werden.

Sind Menschen von einem Zeckenstich betroffen, so rechtfertigt allein der Zeckenstich noch keine medikamentöse bzw. therapeutische Maßnahme, mit Ausnahme ggf. der sachgerechten Entfernung der Zecke. Wesentliches prophylaktisches Merkmal ist die zeitnahe und korrekte Entfernung der Zecke.

Um die unnötige Einnahme von Antibiotika zu verhindern, gilt: Eine Zecke, die bei einem Menschen entfernt wird, sollte nach Möglichkeit auf Borrelien untersucht werden. Mit 98%iger Wahrscheinlichkeit (*) kann man dann sagen, ob die Zecke positiv oder negativ war, also mit Borrelien infiziert war oder nicht.

Von einer antibiotischen Behandlung ohne Kenntnis des "Zecken-Status" ist abzuraten. Eine Antibiotikagabe nach positivem Testergebnis wird als sinnvoll erachtet, jedoch sollte dem Betroffenen auch klar sein, dass ein positiver Nachweis in der Zecke nicht automatisch mit einer Infektion bzw. Erkrankung einhergeht. Borrelien-spezifische Antikörper im Blut sind ein Zeichen, dass das Immunsystem funktioniert und sich mit den Antigen "Borrelie" auseinandergesetzt hat und sind nicht gleichzusetzen mit der Erkrankung "Borreliose".

Eine Studie [1] zeigte, dass beim Stich einer mit Borrelien infizierten Zecke  jeder vierte Patient eine Borreliose entwickelte. Bei 75% der Betroffenen ist das Immunsystem in der Lage, den Erreger abzuwehren.

Wo finden sich die Borrelien in Zecken?

Der Erreger findet sich im Darm der Zecke. Deshalb ist bei der Zeckenentfernung darauf zu achten, dass der Zeckenkörper nicht gequetscht wird, da sonst der borrelieninfizierte Darminhalt der Zecke in den Menschen gelangen kann. Auf keinen Fall sollte man versuchen, die Zecke mit Nagellack-entferner, Alkohol, Klebstoff oder Öl zu entfernen. Die Zecke wird zwar (meist) erfolgreich getötet, aber bevor sie stirbt, erbricht sie ihren Darminhalt in die offene Wunde inklusive der Krankheitserreger.

Die einzige wirksame Vorgehensweise ist das vorsichtige Herausziehen der Zecke mit einer Zeckenkarte oder einer Pinzette.

Welche Zecken kommen in unseren Breiten vor?

Schildzecken (Ixodidae)

Mit Abstand kommt dem Gemeinen Holzbock (Ixodes ricinus) aus der Familie der Schildzecken (Ixodidae) die größte Bedeutung zu. Die Englische Bezeichnung "hard ticks" weist schon auf die anatomische Besonderheit der Schildzecken hin - einfach mal so "draufklatschen" wie bei einer Steckmücke funktioniert nicht, denn sie hat auf dem Rücken ein sehr robustes Schild und auch eine ausgesprochen stabile Körperhülle (chitinisierte Cuticula). 

Diese Zeckenart ist die in Deutschland am weitesten verbreitete Zecke und außerdem für einen Großteil der Zeckenstiche bei Menschen (und anderen Säugetieren) verantwortlich.

In der Familie der Schildzecken gibt es noch einige weitere Arten, deren Blutmahlzeit aber eher selten vom Menschen stammt. Zum Beispiel die Igelzecke (Ixodes hexagonus), die Schafzecke (Dermacentor marginatus), die Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus), die Braune Hundszecke (Rhipicephalus sanguineus).

 

Lederzecken (Argasidae)

Die Lederzecken haben in Europa für den Menschen nur eine untergeordnete Bedeutung. Sie besitzen kein Rückenschild und sind im Gegensatz zu den Schildzecken weich ("soft ticks"). Ein Vertreter dieser Familie ist zum Beispiel die Taubenzecke (Argus reflexus).

Krankheitserreger durch Zecken

Die Schildzecken sind in zweierlei Hinsicht wichtige Ektoparasiten:

a) sie übertragen eine Reihe von Erregern (Viren, Bakterien und Fadenwürmer)

b) sie können durch ihr Speichelsekret zu Intoxikationen verschiedener Art führen

Viruserkrankungen: Arboviren

z.B. der Erreger der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)

 

Bakterien: Schraubenbakterien (Spirochaeten), Rickettsien, Anaplasmen, Ehrlichiose

z.B. Borrelia burgdorferi, der Erreger der Lyme-Borreliose gehört zur Familie der Schraubenbakterien

 

Einzeller (Protozoa): Piroplasmen

z.B. Babesien und Theilerien

Babesia microti und B. divergens als Erreger der "Pseudomalaria beim Menschen; B. canis ist der Erreger der "Hundemalaria"

Intoxikationen

Beim Saugvorgang gibt die Zecke Speichel in die Wunde ab. Es handelt sich um viele unterschiedliche Proteine, die wichtige Funktionen für die Zecke haben:

  • Antikoagulatien verhindern das Zusammenklumpen der Blutplättchen und die Blutgerinnung
  • Prostaglandine unterdrücken die Entzündungsreaktionen
  • Hemmung des Schmerzempfindens
  • allergische Reaktionen vom Soforttyp

Lebensweise der Zecken

Zecken halten sich bevorzugt in Wäldern, in nicht zu trockenen Lagen, in hohem Gras und Gebüsch sowie in losem Laub auf. Sie fallen nicht von Bäumen und springen ihre Wirt auch nicht aktiv an, sondern sitzen auf Gräsern, Büschen und Sträuchern bis zu einer Höhe von ungefähr 1 Metern über dem Boden und werden von einem Wirtstier (Mäuse, Hasen, Rehe etc.) abgestreift. Aktiv werden sie ab einer Temperatur von ca. +7 Grad Celsius und überwintern meist an geschützten Stellen in Bodennähe.

Zecken gehören zu den sogenannten gefrierintoleranten Arten, was bedeutet, dass sie ein Gefrieren ihrer Körperflüssigkeit nicht überleben. Allerdings erst ab minus 11°C bis minus 23°C - abhängig vom Entwicklungsstadium und ob sie mit Blut vollgesogen sind oder nicht.

Für ihren Entwicklungszyklus  (Larve - Nymphe - Imago/geschlechtsreife Tiere) und Vermehrung benötigen Zecken Blut. Die Weibchen fallen nach der beendeten Mahlzeit ab und beginnen nach einigen Tagen bis Wochen mit der Eiablage bei der eine große Anzahl von Eiern (bis zu 4000) an lichtgeschützten dunklen Stellen am Boden abgelegt werden. Das Weibchen schrumpft dabei zusehends, bis es nach Auspressen der letzten Eier stirbt.

Die Eier benötigen je nach Temperatur und Luftfeuchtigkeit 16  - 30 Tage, dann schlüpft die 6-beinige Larve und muss sich für ihre weitere Entwicklung den ersten Wirt suchen.

Bei Schildzecken wie z.B. dem Gemeinen Holzbock dauert die Saugzeit in der Regel mehrere Tage, während bei Lederzecken die Saugdauer wesentlich kürzer ist (2 bis 60 Minuten).

Abhängig von Temperatur und Luftfeuchtigkeit, aber insbesonders von der Möglichkeit Blut zu saugen, kann die Entwicklungszeit der Zecke vom Ei bis zum geschlechtsreifen Tier ein bis mehrere Jahre dauern.

Wie orten Zecken ihren Wirt?

Die Zecken haben an ihrem ersten Beinpaar ein Organ, dass über Chemorezeptoren verfügt (Hallersches Organ). Sie sitzen zum Beispiel an Gräsern, wobei das erste Beinpaar abgespreizt gehalten wird, um mit Hilfe des Hallerschen Organes einen Wirt zu "orten".

Der Körpergeruch des Menschen spielt dabei keine Rolle. Vielmehr dürfte das menschliche Verhalten von weitaus größerer Bedeutung dafür sein, ob er häufig von Zecken gestochen wird oder nicht. In der Regel ist es nicht die Zecke, die auf den Menschen zu läuft, sondern der Mensch, der sich die Zecken von der Vegetation abstreift. Demzufolge erhöht häufiger Kontakt mit niedriger Vegetation die Wahrscheinlichkeit, eine Zecke einzufangen. Dies trifft naturgemäß besonders auf spielende Kinder zu. Auch wer abseits der Wanderwege durch Gebüsch geht, hat ein erhöhtes Risiko.

Nahrungsaufnahme der Zecken

Zecken sind Poolsauger. Das heißt, die Nahrung wird aus einem "Sumpf" aufgenommen, der durch die Wirkung des Speichels entstanden ist und aus Blut, Lymphe und zerstörtem Gewebe besteht. Die Gerinnung des Butes wird durch Antikoagulantien (Gerinnungshemmer), die ebenfalls im Speichelsekret enthalten sind, verhindert.

Um einen guten Halt in der Haut des Wirtstieres bzw. des Menschen zu haben, sondert die Zecke eine Art "Zement" ab. Eine festsitzende Zecke kann durch Reizung auch nicht mehr selbst loslassen, sondern ist dazu erst am Ende der Blutmahlzeit in der Lage. Dann erfolgt die Abgabe von Enzymen, die den Zement wieder auflösen.

Was sind die natürlichen Feinde der Zecke?

Wo es viele Zecken gibt, da müßte es eigentlich auch viele ihrer Feinde geben - das regelt eine intakte Naur alleine. Nur bei uns gibt es diese Feinde kaum. Fadenwürmer, die Erzwespe und ein bestimmer Pilz könnten die Zecken im Zaum halten [2, 3].

Aber das erfordert auch ein verantwortungsvolles Handeln, die Welt nicht weiter mit Insektiziden zu verpesten. So könnten sich die Erzwespen im natürlichen Rahmen vermehren und ihren Teil zur Eindämmung der Zecken beitragen.

Vögel als Freßfeinde der Zecken sind für Deutschland nicht untersucht. In den USA gilt das Helmperhuhn lange als "Volksabwehr" gegen Zecken und sein Appetit auf diese "Plagegeister" wurde nachgewiesen [4]

Quellen:

Burkhardt Friedrich: Mikrobiologische Diagnostik

Frank Werner: Parasitologie

Robert Koch-Institut

Deutsche Borreliose-Gesellschaft e.V.

Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg; Landesarbeitsgruppe Borreliose und FSME in Baden-Württemberg

1.  Untersuchung des Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg; Landesarbeitsgruppe Borreliose und FSME in Baden-Württemberg

2. Samish M et al. (2000): Biocontrol of ticks by entomophathogenic nematodes. Research update. Ann N Y Acad Sci 916: 589-594

3. Bohascsova M et al. (2016); Arsenophonus nasoniae and Rickettsiae Infection of Ixodes ricinus Due to Parasitic Wasp Ixodiphagus hookeri. PLoS ONE 11 (2): e0149950. doi: 10.1371/journal.pone.0149959

4. Duffy DC et al. (1992): The effectiveness of Helmeted Guineafowl in the control of the deer tick, the vector of Lyme disease.  Willson Bull. 104: 342-345

Naturheilpraxis

Ute Krispenz

Diplom Biologin & Fachbiologin für Toxikologie

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